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Therapeutisches Konzept

Therapeutisches Konzept

 Am Beginn jeder psychiatrischen Behandlung stehen eine ausführliche Aktenanalyse, die Erhebung der „Vorgeschichte“ sowie umfangreiche klinische, laborchemische, apparative und psychodiagnostische Untersuchungen, die in der Erstellung einer psychiatrischen Diagnose, eines Therapieplanes und (in der Forensik) der Einschätzung der Risikoprognose („Gefährlichkeit“) münden.

Insbesondere werden im Maßregelvollzug Art und Schwere des Delikts und das vom Patienten ausgehende Sicherheitsrisiko eingeschätzt und berücksichtigt. Ziel ist es, den Menschen in allen Aspekten seiner Persönlichkeit zu erfassen und Ursachen wie Neuorientierungsmöglichkeiten seiner problematischen Lebensentwicklung zu klären. Alle Berufsgruppen des therapeutischen Teams sowie die Untergebrachte selbst beteiligen sich an der Erstellung eines individuellen Therapieplans.

Zunächst geht es darum, die Patientin zur Mitarbeit zu motivieren und ihre Bereitschaft zu fördern, sich auf therapeutische Maßnahmen einzulassen. Das therapeutische Angebot folgt einem individuellen, integrativen und multimodalen Behandlungskonzept und versucht aus verschiedenen Therapieansätzen diejenigen auszuwählen, die der Bedarfslage und den Fähigkeiten einer individuellen Patientin am Besten angepasst sind. Dabei werden möglichst alle betroffenen Ebenen – die biologische, psychologische und soziale Ebene – einbezogen. Deshalb stehen im Mittelpunkt der Behandlung therapeutische Einzel- und Gruppengespräche ebenso wie – gegebenenfalls – eine medikamentöse Behandlung.

Hinzu treten Arbeits-, Beschäftigungs-, Kunst, Musik- und Sporttherapie. In Einzelgesprächen, die die Patientin mit ihren Bezugstherapeuten führen, können je nach Bedarf stützende, krisenbearbeitende oder konfliktlösende Elemente auf kognitiv-behavioraler Grundlage, aber auch psychodynamisch orientiertes Arbeiten im Vordergrund stehen. Im Bedarfsfall (viele unserer Patientinnen haben in Kindheit und Jugend belastende Erlebnisse gehabt) wird eine traumaorientierte Psychotherapie durchgeführt.

In den Gruppen stehen die Förderung von Kontaktfähigkeit und das Training sozialer Fertigkeiten im Vordergrund, aber auch die Bearbeitung gruppendynamischer Prozesse. Es gibt themenzentrierte Gruppen, bei denen ein spezielles Thema (z. B. Sucht, psychiatrische Erkrankung, aktuelle und frühere Straftaten, differenziertes Wahrnehmen und adäquater Umgang mit Gefühlen) behandelt wird. In psychoedukativen Gruppen werden spezielle Informationen zu einzelnen Störungsbildern vermittelt.

Im sozialen Kompetenz-Training wird mit verhaltenstherapeutischen Methoden versucht, angelerntes Sozialverhalten für die Patientinnen erkenn- und damit änderbar zu machen. So sollen bei den Patientinnen Einsicht in ihre Erkrankung und in problematische Verhaltensweisen gefördert, gleichzeitig neue Strategien für Verhalten in Krisensituationen erlernt werden. In der systemisch-orientierten Gruppe werden Kommunikation und Beziehungen in sozialen Gefügen sicht- und verstehbar gemacht, gleichzeitig wird ressourcen-, lösungs- und bedürfnisorientiert gearbeitet. Bei den sogenannten nonverbalen Verfahren (Musik-, Kunsttherapie) wird genutzt, dass manche Erlebnisse „jenseits der Worte“ besser auszudrücken sind und es werden außerdem kreative Ausdrucksmöglichkeiten gefördert. Die Körper- und Sporttherapie macht eine (für unsere Patientinnen oftmals ganz neue) Erfahrung körperlicher Befindlichkeiten und Fähigkeiten und deren Rückwirkung auf das psychische Befinden möglich.

In der Entspannungstherapie werden Entspannungsverfahren vermittelt, die im alltäglichen Leben eingesetzt werden sollen/können. Desweiteren gibt es computergestütze Trainingsprogramme für kognitive Fähigkeiten, aber auch interaktive Gruppen in denen kognitive und soziale Fertigkeiten erarbeitet und trainiert werden. Die Mutter-Kind-Gruppe beschäftigt sich mit Erfahrungen und Lösungsansätzen für Mütter, die forensisch untergebracht sind (konkrete Erziehungsfragen, Vermittlung alterentsprechender kindlicher Entwicklungsschritte, Erklärungsmöglichkeiten bzgl. psychischer Erkrankungen und der forensischen Unterbringung, Hilfe zur adäquaten Kontaktpflege mit den Kindern).

Bei einem Teil der Patientinnen, die an medikamentös behandlungsbedürftigen Störungen (z.B. Psychosen, Depressionen) leiden, ist ein weiterer Therapieschwerpunkt die medikamentöse Behandlung mit Psychopharmaka. Diese Medikamente haben eine ordnende Wirkung auf Denken, Wahrnehmung und Handeln bzw. auf Stimmungsschwankungen und Depressionen. Dadurch ist es möglich, Dauer und Ausmaß akuter Krankheitserscheinungen zu verringern, ihr Wiederauftreten zu verhindern (Rezidivprophylaxe) und damit den Verlauf der psychischen Erkrankung günstig zu beeinflussen.

Ein weiteres wichtiges Behandlungselement ist die Arbeitstherapie. Hier wird zunächst mit einfachen Tätigkeiten ein Tagesrhythmus mit Wechsel von Arbeit und Freizeit eingeübt, Ausdauer und Durchhaltevermögen werden gefördert. Über die Einleitung einer beruflichen Rehabilitation wird als langfristiges Ziel im Idealfall die Rückführung (oder Hinführung)

in die Arbeitswelt des sog. ersten Arbeitsmarktes angestrebt. Stellt dies auch auf längere Sicht eine Überforderung dar, bietet sich als Alternative die Integration an einem beschützten Arbeitsplatz an. Zusätzlich bieten wir die Möglichkeit, den Qualifizierten Hauptschulabschluss nachzuholen.

Für unsere Patientinnen mit Migrationshintergrund stellt Deutschunterricht häufig eine wichtige Voraussetzung sowohl für eine Teilnahme an unseren Behandlungsangeboten als auch für eine langfristige Resozialisierung dar. In der Entlassungsphase nimmt neben dem Bereich „Arbeit“ die Klärung und Organisation der für die Patientinnen passenden Wohnform eine zentrale Rolle ein. Für viele Patientinnen ist nach der Entlassung aus der Maßregel ein selbstständiges Wohnen und Arbeiten möglich, gegebenenfalls unter Weiterführung der psychiatrischen Behandlung. Andere bedürfen einer beschützten Wohnform, etwa in therapeutischen Wohngemeinschaften, Übergangseinrichtungen, Heimen etc., oder sie kehren in ihre Familien zurück. Während der gesamten Zeit der Therapie ist es ein Anliegen, den bestehenden Kontakt nach „Draußen“, zu Angehörigen oder anderen Bezugspersonen, in Gesprächen aufrechtzuerhalten. In der sog. „Entlassgruppe“ werden die damit in Zusammenhang stehenden Informationen vermittelt, Probleme, Fragen und Ängste besprochen und Lösungsmöglichkeiten erarbeitet (Bewerbungsschreiben, Vorstellungsgespräche, Aufbau sozialer Netzwerke. sinnvolle Freizeitstrukturierung etc.). Auch die mögliche Rückfallgefährdung bzgl. Sucht oder Risikofaktoren und Vorzeichen erneuter psychiatrischer Erkrankung erhalten in dieser Phase der Therapie nochmals besondere Bedeutung in der alltäglichen Praxis.

 

 

 

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